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„Es gibt kaum etwas, das ich nicht tun kann.“

Präventionsprogramme können den Verlauf von Nierenkrankheiten verlangsamen und Patienten den Schritt in die Dialyse erleichtern

Puppen, Figuren, Porträts – im Wohnzimmer von Gizella Laurencsik drängen sich viele kleine Kunstwerke. Hergestellt hat die 65-Jährige sie alle selbst. Ihre Leidenschaft für kleines Kunsthandwerk entdeckte sie erst spät. „Ich bekam eine Strohpuppe geschenkt und dachte, ja, das könnte ich doch auch“, erinnert sich Gizella Laurencsik. Sie fing an, die kleinen Strohfiguren zu basteln. „Das war im Winter 2001.“

Gizella Laurencsik erinnert sich sehr gut an Daten und Jahreszahlen. Da war der November 1970, eine Zeit des Aufbruchs, als sie mit ihrem Mann in das kleine Haus in Karancsalja zog. Der ruhige Ort im Norden Ungarns liegt etwa eine Autostunde von Budapest entfernt. Da war aber auch das Jahr 1996, als sie aufgrund ihrer Nierenkrankheit aufhören musste zu arbeiten. Und natürlich die Tage, an denen ihre beiden Söhne und die mittlerweile vier Enkel geboren wurden.

Das letzte Datum, das sich Gizella Laurencsiks ins Gedächtnis gebrannt hat, war der 26. Mai 2014. Es war der Tag ihrer ersten Begegnung mit einer Dialysemaschine.

Ich ging in diesen Teil des Krankenhauses, in dem ich noch nie gewesen war. Eine Krankenschwester kam auf mich zu und fragte mich, was ich suchen würde. Ich erzählte ihr voller Angst, dass ich eine neue Patientin sei. Sie brachte mich dann in einen Raum, zeigte mir meinen Platz, und eine andere Krankenschwester kam, um mir zu erklären, was jetzt passieren würde. Sie war sehr nett. Aber es war verrückt, mein Blut zu sehen, wie es durch diese Leitungen floss. Ich konnte die Wärme des Blutes spüren.

Gizella Laurencsik
Dialysepatientin

Tiefer Einschnitt ins Leben

Der Schritt in die Dialysebehandlung ist ein tiefer Einschnitt ins Leben. So wie jeder andere Patient war auch Gizella Laurencsik zutiefst verunsichert. Doch sie wollte stark sein und machte sich Mut: „Wenn es andere geschafft haben, diese Behandlung durchzustehen, dann schaffe ich das auch.“ Ihr war schon länger klar gewesen, dass der Tag kommen würde, an dem die Funktion ihrer Nieren nicht mehr ausreichen und eine Dialysetherapie unausweichlich würde. Zum Glück begleiteten sie Haus- und Fachärzte und bereiteten sie schon frühzeitig darauf vor.

„Ich war 17 Jahre lang bei Nierenfachärzten in Behandlung. Dann bekam ich einen Gefäßzugang gelegt, um mich auf die Dialyse vorzubereiten. Aber ich wollte die Behandlung so lange wie möglich hinauszögern. Ich fühlte mich wohl, hatte keine Vergiftungssymptome, bis im Mai 2014 meine Blutwerte immer kritischer wurden.“

Sanfter Start

Aus Sicht von Dr. Stefano Stuard ist der von Gizella Laurencsik geschilderte Übergang in die Therapie vorbildlich. Der Nephrologe verantwortet die Koordination der medizinischen Aktivitäten in den Dialysekliniken von Fresenius Medical Care in Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Außerdem ist er zuständig für Programme, die sich mit der Behandlung von Prädialyse-Patienten beschäftigen. „Unser Ziel ist, Patienten gut auf eine Nierentransplantation vorzubereiten. Dafür müssen wir sie körperlich möglichst stabil halten. Bei Patienten, die zuvor nicht gut genug auf die Dialyse eingestellt worden sind, treten oft Herz-Kreislauf-Probleme wie Herzinsuffizienz auf.“ Diese stehen dann einer späteren Nierentransplantation entgegen. 

Um diesen Zeitraum der Prädialyse stärker in den Fokus von Ärzten und Patienten zu rücken, unterstützt Fresenius Medical Care auch nationale Programme in verschiedenen Ländern, wie beispielsweise das ungarische „National Kidney Program“: Seit 2011 werden hier Mediziner weitergebildet und Menschen aus den Risikogruppen über das Thema aufgeklärt. „Das ist ein wundervolles Programm“, resümiert Stefano Stuard. Ähnliche Aktivitäten werden von Fresenius Medical Care auch in Polen und Tschechien unterstützt.

Es gibt eigentlich nichts, was ich nicht tun kann. Ich mache die Hausarbeit, gieße die Blumen, pflege den Garten. Es geht nur alles langsamer, alles braucht mehr Zeit.

Gizella Laurencsik
Dialysepatientin

Leben mit der Maschine

Gizella Laurencsik muss inzwischen dreimal pro Woche zur Dialyse in die nahegelegene Klinik. Sie geht direkt morgens um sechs Uhr zur Behandlung, um die Nachmittage frei zu haben. Spaziergänge mit ihrem Mann in einem nahegelegenen Park und ihr Kunsthandwerk stehen dann auf dem Programm.

Für Gizella Laurencsik ist es wichtig, ihren gewohnten Alltag weiterleben zu können. „Mein Leben hat sich eigentlich gar nicht verändert“, stellt sie fest. Ihre Kinder und Enkel würden sie überhaupt nicht als Kranke wahrnehmen. Der Grund seien ihre vielfältigen Aktivitäten im Haus, im Garten oder in der Künstlergruppe, der sie seit zehn Jahren angehört. Gizella Laurencsik wünscht sich natürlich, dass das so bleibt. „Für große Reisen bin ich eh nie zu haben gewesen“, gibt sie zu, auch deshalb falle es ihr nicht schwer, sich an die Taktvorgabe der Dialyse zu halten. „Im Augenblick komme ich ganz gut zurecht“, sagt sie, während sie ihren Blick über all ihre kleinen Kunstwerke schweifen lässt.